Donnerstag, 20. Oktober 2011

die italienische justiz hat ein problem

und das heisst nicht berlusconi. im gegenteil.

die unabhängigste justizorganisation in ganz europa bietet ihren mitarbeitern vielfältige karrieremöglichkeit. wer in italiens justiz karriere machen will, der braucht press coverage, muss im telegiornale auf rai uno auf und ab laufen, ein begehrter interviewpartner sein, DER spezialist für die sensationsfälle.

natürlich kommt man als staatsanwalt mit einem banalen raubmord nicht weit. zu profan, zu wenig für die sensationsgeile presse. da muss schon ein anderes kaliber her. unser aller freund richter giuliano mignini hat sich solch einen namen gemacht. er weiss genau: die italienische öffentlichkeit giert nach brutalen sex & crime stories. und auf eines fahren die katholischen italiener ganz besonders ab - und das sind verschwörerische satanistenmorde.

nun sind selbst in der teilweise tiefgläubigen italienischen provinz serienmorde sexgeiler satanisten eher eine seltenheit. und doch hat es mignini geschafft, rund 100 vermeintliche satanisten in den knast zu bringen. die meisten wurden selbstverständlich in der revision wieder freigesprochen, denn die beweislage erwies sich beständig als viel zu dünn und wackelig. die letzte ihrer art war das naivchen amanda knox, die leider so blöd war, ohne anwalt ein "geständnis" in fremder sprache zu unterschreiben, zu einem zeitpunkt, als die laboruntersuchungen des tatortes noch nicht abgeschlossen waren.

und so kam es, wie es kommen musste. als die laborergebnisse endlich vorlagen, hatte mignini die knox bereits der presse als "chefin einer satanistengang, die arme studentinnen im rahmen von gewaltsexorgien 'opfert'" zum frass vorgeworfen.

man könnte meinen, dass - als man der wahren täter nach 14 tagen geschnappt hatte - man die knox und ihren hausfreund freilassen würde, denn für ihre tatbeteiligung gab es nun mal keinerlei beweise, ja nicht einmal verwertbare spuren.

dass die fälschliche verurteilung von unschuldigen aufgrund herbeifantasierter satanistenzusammenhänge einer justizkarriere abträglich sein müssten, liegt auf der hand. aber in italien sieht die sache anders aus. denn ein schlauer ermittlungsrichter wie mignini wird es durch gezielte durchstecherei immer wieder schaffen, dass die öffentlichkeit, "informiert" durch die örtliche presse, den urspünglichen anklagen lieber glauben schenken und davon ausgehen, dass die taten so wie geschildert geschehen sind und die (fälschlicherweise) angeklagten lediglich zu perfide waren, um eindeutige spuren zu hinterlassen.

im grunde hat der pöbel, der in perugia gegen die freilassung der knox demonstriert hatte, gezeigt: das mittelalter lebt. werft die hexe in den fluss, wenn sie ertrinkt, ist sie unschuldig, wenn sie überlebt, muss sie verbrannt werden, denn sie steht mit dem teufel im bunde. der gerechtigkeit ist damit aus sicht des durchschnittlichen ayellowpress lesers aber in jedem fall genüge getan. auch im prozess gg. die knox spielte der teufel eine rolle. man darf an dieser stelle durchaus auf goethes faust verweisen, denn solch eine satansgläubigkeit gab es auch in deutschland, allerdings hat goethe bereits im 18. jahrhundert das justizsystem dafür kritisiert. in italien ist man offenbar noch nicht ganz soweit.

fortsetzung und verlinkungen folgen...

Kommentare:

hobbydiktator hat gesagt…

Naja, gibt es hier auch heute noch. CSU/CDU wollen doch in einer süddeutschen Gemeinde Frauen, die vor 200-300 Jahren wegen Hexenseins verbrannt wurden, nichtfreisprechen mit einer obskuren Begründung. Ich finde den Artikel leider in diesem Internet nicht (super Quellenangabe, ich weiß^^).
Aber ist dann der Richter schuld, dass er die Leute mit solch einem Scheiß füttert, oder eher die ungebildeten Leute, die solche Geschíchten brauchen?

EINHEITSKANZLER hat gesagt…

in diesem fall ganz klar ein problem der justiz, bzw der ermittlungsbehörden. soweit ich weiss, ist das "leaken" auch in italien rechtswidrig. nur wer sollte das am ende verfolgen? die justiz, gegen sich selbst? wie jämmerlich ineffektiv das abläuft, kann man an dem verfahren gegen ebenjenen richter migini sehen. in der ersten instanz verurteilt (wegen amtsmissbrauchs in einem anderen fall), in der zweiten instanz stellt das gericht plötzlich fest, dass man gar nicht zuständig sei, annuliert das erstinstanzliche urteil gleich mit und schickt den fall an ein anderes gericht zur "erstverhandlung". 5 jahre gerichtsarbeit futsch, von den kosten ganz zu schweigen. damit wird klar: als richter kann ich recht brechen, denn zur verantwortung gezogen werde ich ggf. gar nicht oder erst in 10 jahren (bei drei instanzen auch gerne 20 jahre). bis dahin aber hat der feine richter mignini schon aus biologischen gründen das zeitliche gesegnet. wenn das kein "moral hazard" ist!

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